Reishi (Ganoderma lucidum): Wirkung auf Immunsystem, Schlaf und Stressregulation – Was die Studienlage 2026 wirklich zeigt
Reishi, in China seit über zweitausend Jahren als „Lingzhi" (靈芝, „göttlicher Pilz der Unsterblichkeit") bekannt, ist der wohl prominenteste Vertreter der medizinischen Pilze in der ostasiatischen Heiltradition. Kaiser ließen den seltenen Baumpilz in Goldreliefs gravieren, taoistische Mönche schrieben ihm geistige Klarheit zu, und das Shen Nong Ben Cao Jing – das älteste erhaltene Kräuter-Kompendium Chinas aus der Han-Dynastie – führt ihn als „obere Klasse" der heilenden Substanzen mit dem Versprechen, Lebenskraft zu mehren und das Altern zu verlangsamen. Zweitausend Jahre später ist Reishi zum globalen Milliarden-Dollar-Supplement geworden, vermarktet als Immun-Booster, Adaptogen, Schlaf-Helfer und Anti-Aging-Produkt. Was davon hält der wissenschaftlichen Prüfung stand? Wir sezieren die pharmakologisch dokumentierten Inhaltsstoffe, die echte klinische Studienlage zu Immunmodulation, Schlaf und chronischen Erkrankungen, die belastbare Dosierung und die Qualitätskriterien, an denen sich Geld-für-Marketing von Geld-für-Wirkung trennen lässt.
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Reishi ist der japanische Handelsname, Lingzhi der chinesische, der wissenschaftliche Name lautet Ganoderma lucidum beziehungsweise – nach der 2012 erfolgten taxonomischen Neuordnung durch Cao, Wu und Dai – in Asien überwiegend Ganoderma sichuanense oder Ganoderma lingzhi. Was im westlichen Supplement-Markt als „Reishi" verkauft wird, ist meist Ganoderma lucidum sensu lato aus chinesischer oder koreanischer Kultivierung, gelegentlich auch G. tsugae aus nordamerikanischen Tannenwäldern. Die Arten sind morphologisch ähnlich – ein nieren- bis fächerförmiger, lackrot bis dunkelbraun glänzender Porling, der parasitisch und saprotroph an Laubbäumen, besonders Eichen und Pflaumen, wächst – und ihre Inhaltsstoffe überlappen zu etwa achtzig Prozent. Für den praktischen Anwender ist diese taxonomische Feinheit ohne Bedeutung, solange das Etikett glaubhaft eine standardisierte Ganoderma-Spezies ausweist.
Wildgesammelter Reishi ist in der Natur selten, was historisch zu seiner mystischen Aufladung beigetragen hat. Das moderne Supplement kommt aus kontrollierter Kultur auf Holzsubstraten (Eichenstamm-Kultur, „log-cultivated") oder auf Getreidesubstraten (besonders auf braunem Reis oder Sojabohnen). Hochwertige Präparate kennzeichnen das Substrat – die Holzstamm-Kultur erzeugt höhere Triterpen-Gehalte und ist pharmakologisch der Wildform am nächsten.
Innerhalb des Pilzkörpers werden drei sehr unterschiedliche Fraktionen verwendet: der Fruchtkörper (Hut und Stiel, der eigentliche „Pilz"), das Myzel (Pilzgeflecht, das vor der Fruchtbildung wächst) und die Sporen (mikroskopische Fortpflanzungseinheiten, die nach mechanischem Aufbrechen der harten Sporenwand bioverfügbar werden). Die Wirkstoffprofile sind nicht identisch – mehr dazu im Abschnitt Qualitätskriterien.
Aktive Inhaltsstoffe: Triterpene, Beta-Glucane und Polysaccharid-Peptide
Die pharmakologische Datenbank zu Reishi ist mit über 400 isolierten Sekundärmetaboliten eine der reichhaltigsten unter allen Heilpilzen. Klinisch relevant sind im Wesentlichen drei Substanzklassen.
Triterpene (Ganodersäuren A bis Z, Lucidensäuren, Ganoderiole) bilden die lipophile, bitter schmeckende Fraktion. Sie sind chemisch verwandt mit Steroiden und werden für die anti-entzündliche, hepatoprotektive, leicht blutdrucksenkende und potenziell anti-tumorale Wirkung verantwortlich gemacht. Hochwertige Extrakte werden auf 2 bis 6 Prozent Triterpene standardisiert.
Beta-Glucane (besonders Beta-1,3/1,6-D-Glucane) sind die wichtigste Polysaccharid-Klasse für die immunmodulierende Wirkung. Sie binden an Dectin-1- und CR3-Rezeptoren auf Makrophagen, dendritischen Zellen und natürlichen Killerzellen und triggern eine geordnete Immunantwort – nicht eine pauschale „Immunstimulation", sondern eher eine Sensibilisierung des angeborenen Immunsystems gegenüber pathogenen Mustern. Reishi-Extrakte werden in der Regel auf 10 bis 35 Prozent Polysaccharide standardisiert, wobei Beta-Glucane einen Großteil davon ausmachen.
Polysaccharid-Peptide (PSP) und das Glykoprotein Ganoderma lucidum polysaccharide peptide (GLPP) sind höher molekulare Komplexe, die in chinesischen Onkologie-Studien als Adjuvans untersucht wurden – das in dieser Linie entwickelte Markenpräparat „Ganopoly" hat den größten Teil der zitierfähigen Reishi-Humanstudien geliefert.
Weitere relevante Bestandteile sind Ergosterol und Ergosterolperoxid (Provitamin D2 und entzündungshemmende Sterole), Adenosin und Adenosin-Analoga (mild sedativ, thrombozytenaggregations-modulierend), sowie kleinere Mengen Nukleotide, Aminosäuren und Spurenelemente.
Wirkmechanismus: Wie Reishi auf das Immunsystem wirkt
Anders als Echinacea, das mit dem schwammigen Etikett „Immunstimulans" beworben wird, verhält sich Reishi pharmakologisch differenzierter – als Immunmodulator.
1. Aktivierung des angeborenen Immunsystems via Dectin-1
Beta-Glucane aus Reishi binden an Dectin-1-Rezeptoren auf der Oberfläche von Makrophagen und neutrophilen Granulozyten. Diese Bindung triggert eine Signalkaskade, die zu vermehrter Produktion von TNF-alpha, IL-1beta und IL-6 in physiologisch maßvollem, geordnetem Rahmen führt. Anders als bakterielles LPS aktiviert dieser Pfad nicht das hyper-inflammatorische TLR-4-System, sondern eine Art „Trainings-Signal", das in der Literatur als trained immunity diskutiert wird. Die immunologische Bilanz ist eine bessere Bereitschaft des angeborenen Immunsystems, später real auf Pathogene zu reagieren.
2. Modulation der NK-Zell-Aktivität
In zwei kontrollierten Studien (Gao et al., Immunological Investigations 2003 und Journal of Medicinal Food 2005) erhöhten 5,4 g Ganopoly über 12 Wochen die NK-Zell-Zytotoxizität bei Tumorpatienten signifikant. NK-Zellen sind die Frontlinie der angeborenen Immunabwehr gegen virusinfizierte und maligne Zellen.
3. Triterpen-vermittelte Hemmung der NF-kB-Aktivierung
Ganodersäuren hemmen in vitro und in Tiermodellen die NF-kB-getriebene chronische Entzündung. Klinisch relevant ist das vor allem bei Patienten mit chronisch erhöhten Entzündungsmarkern (metabolisches Syndrom, leichte Arthrose).
4. Mildes adaptogenes Profil über HPA-Achse
Tierstudien zeigen unter Reishi eine Dämpfung der Cortisol-Antwort auf akute Stressoren. Mechanistisch wird eine Interaktion der Triterpene mit dem hypothalamischen GR-Rezeptor-System diskutiert. Beim Menschen ist diese Komponente schlechter charakterisiert, deckt sich aber mit traditionellen Anwendungs-Berichten.
5. Sedierende Wirkung über Adenosin- und GABA-Wege
Wässrige Reishi-Extrakte verlängern in standardisierten Pentobarbital-Schlaf-Tests bei Mäusen die Schlafdauer dosisabhängig (Chu QP et al., Pharmacology Biochemistry and Behavior 2007). Der Mechanismus wird über zentrale Adenosin-A1- und benzodiazepin-ähnliche GABA-Wege erklärt – ohne dass Reishi an den Benzodiazepin-Bindungsstellen selbst angreift.
Studienlage zum Immunsystem beim Menschen
Hier wird die Datenlage spannend – und gemischt.
Gao et al. 2003 und 2005: Die Ganopoly-Onkologie-Studien
Die methodisch dichtesten Reishi-Humandaten kommen aus der Arbeitsgruppe um Yi Hua Gao in Sydney. In einer offenen Studie an 47 fortgeschrittenen Tumorpatienten unter Chemotherapie führte 5,4 g Ganopoly täglich über 12 Wochen zu einer signifikanten Verbesserung von Lebensqualität, NK-Aktivität, CD56+-Zellzahl und CD4/CD8-Verhältnis (Gao Y, Zhou S, Jiang W, Huang M, Dai X. Immunological Investigations 2003). In einer Folgearbeit am Lungenkrebs-Kollektiv (Journal of Medicinal Food 2005) konnten diese Befunde bestätigt werden. Die Studien sind nicht doppelt verblindet placebokontrolliert, aber die Konsistenz der Immunmarker-Verschiebung über drei Monate ist robust.
Tang et al. 2005: RCT bei Neurasthenie
Tang W et al. (Journal of Medicinal Food 2005) untersuchten Ganopoly in einer randomisierten, doppelt verblindeten, placebokontrollierten Studie bei 132 Patienten mit Neurasthenie über acht Wochen. Reishi führte zu einer signifikanten Reduktion der Symptom-Schwere (CGI-S Score) und einer besseren Lebensqualität gegenüber Placebo. Eine der wenigen sauberen Reishi-RCTs überhaupt.
Jin X et al. 2016: Cochrane-Review zur Krebs-Adjuvanz
Der Cochrane-Review von Jin X, Ruiz Beguerie J, Sze DM-Y, Chan GCF (Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, CD007731) wertete fünf randomisierte Studien mit insgesamt 373 Krebspatienten aus, in denen Ganoderma lucidum als Adjuvans zur konventionellen Therapie eingesetzt wurde. Ergebnis: Reishi steigert nicht die Tumor-Remissionsrate, verbessert aber die ansprechende Lebensqualität und mehrere immunologische Funktionsparameter (NK-Aktivität, CD3/CD4/CD8). Die Autoren urteilen: „Ganoderma lucidum könnte gegenüber Standardtherapie ergänzend nützlich sein, sollte aber nicht als alleinige Erstlinien-Behandlung eingesetzt werden."
Klupp NL et al. 2015: Cochrane-Review zu Stoffwechselparametern
In einem zweiten Cochrane-Review zu Reishi bei Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Risikofaktoren (Klupp NL, Chang D, Hawke F, Kiat H, Cao H, Grant SJ, Bensoussan A. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, CD007259) wurden fünf RCTs mit 398 Teilnehmern eingeschlossen. Ergebnis: schwach positive Effekte auf Nüchternblutzucker, HbA1c und Triglyzeride, aber methodisch eingeschränkte Studienqualität – ein Schlussurteil über die kardiovaskuläre und metabolische Wirkung bei Diabetes ist auf dieser Basis nicht zu fällen.
Zhao H et al. 2012: Reishi-Sporen bei Brustkrebs-Fatigue
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 48 Brustkrebs-Patientinnen unter endokriner Therapie (Zhao H et al., Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2012, Article ID 809614) zeigte unter 3 g Reishi-Sporenpulver täglich über vier Wochen eine signifikante Reduktion der Cancer-Related Fatigue (FACT-F Score), eine verbesserte Angst-Depression-Skala und einen Rückgang inflammatorischer Marker. Methodisch eine der saubereren Reishi-Studien überhaupt.
Wachtel-Galor S et al. 2011: Sicherheits- und Pharmakologie-Übersicht
Das oft zitierte Übersichtskapitel in Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects (Wachtel-Galor S, Yuen J, Buswell JA, Benzie IFF, 2. Aufl. 2011) bietet die ausführlichste pharmakologische Synthese im englischsprachigen Raum und positioniert Reishi als evidenzbasiert sinnvolles Adjuvans bei chronischer Krankheit, jedoch nicht als alleiniges Heilmittel.
Studienlage zu Schlaf, Stress und allgemeiner Vitalität
Die Datenlage zu Reishi und Schlaf ist überwiegend präklinisch, mit einer wichtigen Ausnahme.
Chu QP et al. (Pharmacology Biochemistry and Behavior 2007) zeigten in einem Mausmodell unter standardisiertem wässrigem Reishi-Extrakt eine signifikante Verlängerung der Pentobarbital-induzierten Schlafdauer und eine Verkürzung der Einschlaflatenz – konsistent mit einer mild sedativen Wirkung. Cui XY et al. (Journal of Ethnopharmacology 2012) ergänzten, dass die Wirkung über zentrale TNF-alpha-Modulation läuft und Slow-Wave-Schlaf erhöht, ohne den REM-Schlaf zu unterdrücken – ein Wirkprofil, das sich von Benzodiazepinen und Z-Substanzen klar unterscheidet.
Beim Menschen sind kontrollierte Daten dünn. Die Lebensqualitäts-Skalen aus Tang et al. 2005 und Zhao et al. 2012 enthalten Schlafqualitäts-Subskalen, die jeweils positiv verschoben waren. Eine spezifische placebokontrollierte Reishi-Schlafstudie an gesunden Erwachsenen fehlt bis heute – ein methodisches Loch, das das Vermarktungs-Versprechen „Reishi für besseren Schlaf" auf eine schwächere Evidenzbasis stellt als die Immunwirkung.
Adaptogene Wirkung im engeren Sinne – Modulation der Stressantwort – ist beim Menschen für Reishi nur indirekt belegt. Wer eine bewährtere adaptogene Wirkung sucht, ist mit Ashwagandha oder Rhodiola besser bedient.
Dosierung: Was Studien tatsächlich verwendet haben
| Anwendung | Dosis pro Tag | Form | Dauer |
|---|---|---|---|
| Immun-Modulation, allgemein | 1.500–3.000 mg Extrakt | Heißwasser- oder Dual-Extrakt | mind. 8–12 Wochen |
| Adjuvans bei Tumortherapie | 5,4 g Ganopoly oder Äquivalent | standardisiertes PSP-Präparat | parallel zur Therapie, 12+ Wochen |
| Schlaf / Stressreduktion | 1.000–2.000 mg | wässriger Extrakt, abends | mind. 4 Wochen |
| Cancer-Related Fatigue | 3.000 mg Sporenpulver | aufgebrochene Sporen | 4+ Wochen |
Daumenregel: Unter 1 Gramm Extrakt täglich passiert klinisch wahrscheinlich nichts. Die in vielen kommerziellen Produkten beworbenen 250- oder 500-mg-Dosen entsprechen keiner Studie und sind als Schaufenster-Dosis zu werten. Effekte zeigen sich frühestens nach vier Wochen, das Plateau wird erst nach drei Monaten erreicht.
Vergleich mit anderen Heilpilzen und Alternativen
| Pilz / Mittel | Stärke | Wofür am besten |
|---|---|---|
| Reishi | Triterpen-reiche Immunmodulation, mild sedativ | Immun-Modulation, chronische Entzündung, Schlafqualität als Nebeneffekt |
| Lion's Mane | NGF-Stimulation, Neurogenese | Kognition, Gedächtnis, neurologische Unterstützung |
| Cordyceps | AMPK-Aktivierung, Energie | Ausdauer, VO2max, Müdigkeit |
| Maitake (Grifola frondosa) | Beta-Glucan-D-Fraktion | Stoffwechsel, Immunsystem |
| Shiitake (Lentinula edodes) | Lentinan (intravenös in JP zugelassen) | Adjuvans bei Magenkrebs (klinisch in Japan) |
| Echinacea | kurzfristige Immunaktivierung | akute Erkältungsphase, nicht dauerhaft |
| Quercetin | Antioxidans, Mastzell-Stabilisator | Allergien, Sportler-Immunsystem |
Reishi ist nicht der „beste Pilz für alles" – das ist ein Marketing-Versprechen, kein wissenschaftliches. Reishi ist der Pilz erster Wahl, wenn man eine immunmodulierende Grundwirkung mit mild beruhigender und entzündungshemmender Komponente sucht und bereit ist, das Mittel täglich über Monate einzunehmen.
Worauf beim Kauf achten: die fünf Qualitätskriterien
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Quellenangabe „Fruchtkörper" (im Englischen fruiting body). Billige Produkte stammen aus auf Getreide gezüchtetem Myzel und enthalten häufig 30 bis 70 Prozent Substrat-Stärke aus dem Getreide – ein im US-Markt 2017 dokumentiertes systemisches Problem. Hochwertige Präparate spezifizieren Fruchtkörper oder Fruchtkörper plus Sporenpulver.
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Standardisierung auf Polysaccharide und Triterpene. Seriöse Produkte geben den Prozentsatz an Beta-Glucanen oder Polysacchariden (Zielwert 10 bis 35 Prozent) und Triterpenen (Zielwert 2 bis 6 Prozent) an. Fehlt die Standardisierung, ist das Produkt eine pharmakologische Wundertüte.
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Dual-Extraktion oder Heißwasser-Extrakt. Die immunaktiven Beta-Glucane sind wasserlöslich, die Triterpene überwiegend alkohollöslich. Hochwertige Reishi-Präparate werden „dual-extrahiert" – erst mit heißem Wasser, dann mit Ethanol – und liefern beide Fraktionen. Reines „Pilzpulver" ohne Extraktion liefert weder noch in relevanter Konzentration.
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Laboranalyse auf Schwermetalle und Pestizide. Reishi ist als saprotropher Pilz ein potenter Akkumulator von Schwermetallen aus Substrat und Wasser. Cadmium, Blei und Arsen wurden in chinesischer Wildware gelegentlich in Überschreitungs-Konzentrationen gefunden. Ein aktuelles Analysezertifikat (Certificate of Analysis, CoA) sollte mitgeliefert oder online abrufbar sein.
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Bei Sporen: aufgebrochene Sporenwand (cracked spores / shell-broken). Die unbrechende Polysaccharid-Sporenwand ist für menschliche Verdauungsenzyme weitgehend unzerstörbar. Nur mechanisch oder enzymatisch aufgebrochene Sporen haben eine relevante Bioverfügbarkeit. Steht „cracked spores" oder „shell-broken" nicht auf dem Etikett, kauft man wahrscheinlich kostspieligen, weitgehend wirkungslosen Sporenstaub.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Reishi gilt in Dosierungen bis 3 g Extrakt pro Tag über bis zu 12 Monate als gut verträglich. In klinischen Studien wurden gelegentlich folgende milde Nebenwirkungen berichtet:
- Trockenheit von Nase, Mund und Rachen (häufigster Effekt, dosisabhängig)
- Nasenbluten, blutiger Stuhl in Einzelfällen (möglicherweise über Thrombozyten-Hemmung)
- Hautausschlag (selten, allergisch)
- Schwindel bei zu schneller Aufdosierung
Wechselwirkungen: - Antikoagulanzien (Warfarin, DOAKs, ASS): Reishi-Adenosin und einige Triterpene hemmen die Thrombozyten-Aggregation in vitro. Klinisch relevante Blutungsereignisse sind in der Literatur dokumentiert – bei oraler Antikoagulation Reishi nur in Rücksprache mit dem Arzt einnehmen, möglichst mit Quick-/INR-Monitoring. - Antihypertensiva: Mild blutdrucksenkende Wirkung möglich – additive Effekte beachten. - Antidiabetika: Mild blutzuckersenkend – additive Effekte beachten. - Immunsuppressiva nach Transplantation: wegen Immunmodulation grundsätzlich nicht empfehlenswert.
Lebertoxizität: In zwei Fallberichten (Wanmuang H et al., Journal of the Medical Association of Thailand 2007) wurden schwere Hepatotoxizitäten unter pulverisiertem Reishi-Konsum dokumentiert. Beide Fälle betrafen Pulver, nicht standardisierten Extrakt. In den großen Studien mit standardisierten Präparaten ist die Leberverträglichkeit unauffällig.
Schwangere und Stillende sollten Reishi mangels Sicherheitsdaten meiden. Vor geplanten Operationen ist Reishi mindestens zwei Wochen vor dem Eingriff abzusetzen.
Häufige Fehler bei der Reishi-Anwendung
Zu kurze Einnahme. Reishi ist kein Akut-Mittel. Wer nach einer Woche nichts spürt und enttäuscht absetzt, hat dem Pilz keine Chance gegeben. Studienbelegte Effekte zeigen sich frühestens nach vier Wochen.
Unterdosierung. Eine Kapsel mit 300 mg Extrakt am Tag ist eine Vitrinen-Dosis. Die studienbelegte Tagesdosis liegt bei 1,5 bis 5,4 Gramm.
Pulver statt Extrakt kaufen. Rohes Pilzpulver liefert die wasserlöslichen Beta-Glucane in viel geringerer Konzentration als ein heißwasser-extrahiertes Pulver, weil die menschlichen Verdauungsenzyme die Chitin-Zellwand des Pilzes nur teilweise aufschließen. Wer nicht extrahiert kauft, zahlt für Füllstoff.
Myzel auf Getreide als „Reishi" akzeptieren. Myzel auf Reis-Substrat enthält bis zu 70 Prozent Substrat-Stärke. Wer das nicht als Reishi-Extrakt erkennt, kauft im Wesentlichen teuren Reis.
Erwartung akuter Sedierung wie ein Schlafmittel. Reishi ist ein subtiler Schlafqualität-Modulator, kein Benzodiazepin und kein Melatonin-Ersatz. Die Wirkung kumuliert über Wochen.
Fazit: Reishi evidenzbasiert eingeordnet
Reishi ist nicht der „Pilz der Unsterblichkeit", als der er in der taoistischen Mythologie überliefert wurde – aber er ist auch nicht das hohle Marketingversprechen, das Skeptiker manchmal unterstellen. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt einen kleinen bis moderaten, mehrfach replizierten Effekt auf immunologische Funktionsparameter, auf die Lebensqualität von Krebspatienten unter Therapie und auf Müdigkeit/Schlafqualität. Die Wirkung auf chronische Stoffwechselerkrankungen ist tendenziell positiv, aber methodisch noch nicht belastbar bewiesen.
Für den gesunden Erwachsenen über 40, der sein angeborenes Immunsystem in der Erkältungssaison etwas robuster machen möchte und gleichzeitig Wert auf einen ruhigeren Schlaf und eine entzündungshemmende Grundwirkung legt, ist Reishi eine evidenzbasiert plausible Ergänzung mit hervorragendem Sicherheitsprofil. Realistisch sind eine verbesserte NK-Zell-Funktion, eine subjektiv höhere Stress-Resilienz und ein erholsamerer Schlaf nach acht bis zwölf Wochen konsequenter Einnahme.
Für Tumorpatienten unter laufender Therapie ist Reishi eines der wenigen Naturpräparate, für das mehrere kontrollierte Studien einen begrenzten, aber realen Zusatznutzen bei Lebensqualität und Immun-Funktion zeigen – allerdings ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Onkologen und nie als Ersatz für die konventionelle Therapie.
Für Menschen, die einen akuten Energie-Schub, eine kognitive Steigerung oder eine messbare sportliche Leistungssteigerung suchen, ist Reishi das falsche Mittel. Hier sind Cordyceps (Ausdauer), Lion's Mane (Kognition) oder Ashwagandha (Stress/Cortisol) die besseren Werkzeuge.
Und wer einen evidenzbasiert dokumentierten, jahrtausendealten Heilpilz mit plausiblem Wirkmechanismus, gutem Sicherheitsprofil und realistischen, moderaten Effekten in den Alltag integrieren möchte: Der greift zu einem dual-extrahierten Fruchtkörper-Präparat mit Standardisierung auf Beta-Glucane und Triterpene, dosiert konsequent ab 1,5 Gramm täglich und gibt dem Pilz mindestens drei Monate Zeit, seine Wirkung zu entfalten.
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Quellen:
- Gao Y, Zhou S, Jiang W, Huang M, Dai X. Effects of Ganopoly (a Ganoderma lucidum polysaccharide extract) on the immune functions in advanced-stage cancer patients. Immunological Investigations 2003; 32(3): 201–215. PubMed 12916709
- Gao Y, Tang W, Dai X, Gao H, Chen G, Ye J, Chan E, Koh HL, Li X, Zhou S. Effects of water-soluble Ganoderma lucidum polysaccharides on the immune functions of patients with advanced lung cancer. Journal of Medicinal Food 2005; 8(2): 159–168. PubMed 16117607
- Jin X, Ruiz Beguerie J, Sze DM-Y, Chan GCF. Ganoderma lucidum (Reishi mushroom) for cancer treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016; (4): CD007731. PubMed 27045603
- Klupp NL, Chang D, Hawke F, Kiat H, Cao H, Grant SJ, Bensoussan A. Ganoderma lucidum mushroom for the treatment of cardiovascular risk factors. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015; (2): CD007259. PubMed 25686266
- Zhao H, Zhang Q, Zhao L, Huang X, Wang J, Kang X. Spore powder of Ganoderma lucidum improves cancer-related fatigue in breast cancer patients undergoing endocrine therapy: a pilot clinical trial. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2012; 2012: 809614. PMC3424830
- Chu QP, Wang LE, Cui XY, Fu HZ, Lin ZB, Lin SQ, Zhang YH. Extract of Ganoderma lucidum potentiates pentobarbital-induced sleep via a GABAergic mechanism. Pharmacology Biochemistry and Behavior 2007; 86(4): 693–698. PubMed 17428527
- Cui XY, Cui SY, Zhang J, Wang ZJ, Yu B, Sheng ZF, Zhang XQ, Zhang YH. Extract of Ganoderma lucidum prolongs sleep time in rats. Journal of Ethnopharmacology 2012; 139(3): 796–800. PubMed 22207209
- Tang W, Gao Y, Chen G, Gao H, Dai X, Ye J, Chan E, Huang M, Zhou S. A randomized, double-blind and placebo-controlled study of a Ganoderma lucidum polysaccharide extract in neurasthenia. Journal of Medicinal Food 2005; 8(1): 53–58. PubMed 15857210
- Wachtel-Galor S, Yuen J, Buswell JA, Benzie IFF. Ganoderma lucidum (Lingzhi or Reishi): A Medicinal Mushroom. In: Benzie IFF, Wachtel-Galor S (Hrsg.), Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects. 2. Aufl. Boca Raton: CRC Press / Taylor & Francis 2011; Kapitel 9. NCBI Bookshelf NBK92757
- Wanmuang H, Leopairut J, Kositchaiwat C, Wananukul W, Bunyaratvej S. Fatal fulminant hepatitis associated with Ganoderma lucidum (Lingzhi) mushroom powder. Journal of the Medical Association of Thailand 2007; 90(1): 179–181. PubMed 17621752
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