Ashwagandha vs. Rhodiola: Welches Adaptogen wirkt bei Stress, Energie und Leistung wirklich?
Ashwagandha (Withania somnifera) und Rhodiola rosea sind die zwei am besten untersuchten Adaptogene auf dem westlichen Supplement-Markt. Beide werden seit Jahrtausenden in traditionellen Heilsystemen eingesetzt – Ashwagandha im ayurvedischen Kontext, Rhodiola in der skandinavischen, russischen und tibetischen Volksmedizin – und beide haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Welle hochwertiger klinischer Forschung erfahren. Trotzdem werden sie im Marketing oft als austauschbar dargestellt: „Anti-Stress-Pflanze gegen Burnout, mehr Energie, bessere Performance."
Das ist irreführend. Ashwagandha und Rhodiola sind biochemisch grundverschieden, sie wirken auf unterschiedliche Achsen des Stress- und Energiestoffwechsels, und sie eignen sich für klar unterscheidbare Anwendergruppen. Wer beide Pflanzen einfach kombiniert oder pauschal gegen „Stress" einnimmt, verschenkt einen großen Teil ihres Potenzials – und riskiert in einigen Konstellationen sogar gegenläufige Effekte.
Dieser Artikel ordnet die Studienlage 2026 evidenzbasiert ein, vergleicht beide Adaptogene Punkt für Punkt und beantwortet die zentrale Frage: Wann nehme ich was – und in welcher Form?
Was bedeutet „Adaptogen" eigentlich?
Der Begriff stammt aus der sowjetischen Pharmakologie der 1940er-Jahre. Der Toxikologe Nikolai Lazarev definierte 1947 ein Adaptogen als eine Substanz, die (1) unspezifischen Widerstand gegenüber physischem, chemischem und biologischem Stress erhöht, (2) einen normalisierenden Effekt unabhängig von der Richtung der Abweichung hat (also weder rein stimulierend noch rein sedierend wirkt) und (3) unschädlich ist und keine wesentlichen physiologischen Funktionen stört.
Diese ursprüngliche Definition ist im Westen lange als esoterisch belächelt worden – inzwischen hat sich aber gezeigt, dass die zentralen Mechanismen klassischer Adaptogene tatsächlich gut beschreibbar sind: Modulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HHN-Achse), Beeinflussung der Hitzeschockproteine HSP70 und HSP72, Wirkung auf Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin sowie Effekte auf zelluläre Energieproduktion und mitochondrialen Schutz.
Genau hier liegt der erste fundamentale Unterschied zwischen den beiden Pflanzen: Ashwagandha wirkt vorwiegend dämpfend-anxiolytisch – sie senkt eine überaktive Stressachse. Rhodiola wirkt vorwiegend aktivierend-leistungssteigernd – sie unterstützt eine erschöpfte Stressachse. Diese Polarität ist klinisch hochrelevant.
Was ist Ashwagandha?
Ashwagandha (Withania somnifera) wird in Indien seit über 3000 Jahren als „Rasayana" (Verjüngungs- und Stärkungsmittel) verwendet. Die pharmakologisch aktive Wirkstoffgruppe sind die Withanolide, eine Familie steroidaler Lactone. Im Wurzelextrakt finden sich Withanolid A, Withaferin A, Withanon und weitere strukturell verwandte Verbindungen.
Die meisten klinischen Studien wurden mit zwei standardisierten Extrakten durchgeführt: KSM-66 (5 Prozent Withanolide, ausschließlich Wurzelextrakt, ethanolfrei) und Sensoril (10 Prozent Withanolide, Wurzel- und Blattextrakt, mit höherem Anteil Withaferin A). KSM-66 wird vorwiegend für Stress, Schlaf und Kraftsport, Sensoril für Stress und kognitive Effekte beworben – die Studienlage zu KSM-66 ist insgesamt deutlich umfangreicher und unabhängiger.
Wirkmechanisch beeinflusst Ashwagandha mehrere Systeme parallel: Sie senkt den Cortisol-Spiegel über eine Modulation der HHN-Achse, moduliert das GABAerge System (Withanolide binden mit niedriger Affinität an GABA-A-Rezeptoren), greift in die Schilddrüsenachse ein (typischerweise leichte T3/T4-Erhöhung) und zeigt anabole Effekte auf die Muskulatur über noch unvollständig geklärte Pfade, vermutlich teils über reduzierten katabolen Cortisol-Druck.
Was ist Rhodiola rosea?
Rhodiola rosea, die „Rosenwurz", ist eine Sukkulente, die in den arktischen Regionen Europas, Asiens und Nordamerikas wächst. Die Hauptwirkstoffe sind Rosavine (Rosavin, Rosin, Rosarin) und Salidroside (auch als Rhodiolosid bekannt). Hochwertige Extrakte werden auf 3 Prozent Rosavine und 1 Prozent Salidroside standardisiert – das klinisch am besten untersuchte Verhältnis von 3:1, das natürlich in der Wildform der Wurzel vorkommt.
Rhodiola wirkt deutlich anders als Ashwagandha. Statt die Stressantwort zu dämpfen, moduliert sie zentrale monoaminerge Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin), hemmt die Monoaminoxidase A und B in vitro, beeinflusst die AMPK- und mTOR-Signalwege in Muskel- und Leberzellen und verbessert nach präklinischer Datenlage die mitochondriale ATP-Produktion unter Belastung. Klinisch zeigt sich daraus ein Wirkprofil, das eher an einen milden, nicht-suchterzeugenden Aktivator erinnert: bessere kognitive Ausdauer unter Stress, weniger mentale Erschöpfung, kürzere Reaktionszeiten.
Wichtig: Rhodiola ist nicht sedierend und in höheren Dosen abends eingenommen sogar leicht schlafstörend – ein klarer Unterschied zu Ashwagandha.
Studienlage 2026: Was beide Adaptogene wirklich leisten
Cortisol-Senkung und chronischer Stress
Die robustesten Daten zur Cortisol-Senkung liegen für Ashwagandha vor. Die RCT von Chandrasekhar et al. (Indian Journal of Psychological Medicine 2012, n = 64) untersuchte 300 mg KSM-66 zweimal täglich über 60 Tage bei chronisch gestressten Erwachsenen und fand eine signifikante Reduktion der Morgen-Serum-Cortisol-Werte um 27,9 Prozent gegenüber 7,9 Prozent unter Placebo. Die Reduktion der wahrgenommenen Stressbelastung (PSS-Score) lag bei 44 Prozent. Diese Effektgröße ist für eine pflanzliche Intervention bemerkenswert und in mehreren Folgestudien (Salve et al., Cureus 2019; Lopresti et al., Medicine 2019) bestätigt worden.
Die Meta-Analyse von Akhgarjand et al. (Phytotherapy Research 2022, 12 RCTs) zur Ashwagandha-Wirkung auf Stress und Angst bestätigte den robusten anxiolytischen Effekt mit einer mittleren standardisierten Effektgröße von SMD = −1,55 für Stress und SMD = −1,75 für Angstsymptome gegenüber Placebo – Effektgrößen, die im Bereich klinischer Anxiolytika liegen, aber ohne deren Nebenwirkungen.
Für Rhodiola liegen vergleichbare Cortisol-Daten vor, allerdings mit deutlich kleineren Effektstärken und stärkerer Heterogenität. Die Meta-Analyse von Hung et al. (Phytomedicine 2011, 11 RCTs) zur Rhodiola-Wirksamkeit bei stressbedingter Erschöpfung zeigte konsistente positive Effekte auf mentale und körperliche Erschöpfung, jedoch nur moderate Effekte auf objektive Cortisol-Werte. Rhodiola wirkt also weniger über akute Cortisol-Senkung als über eine bessere Stressanpassung bei bereits etablierter Erschöpfung.
Burnout und chronische Erschöpfung
Hier kehrt sich die Reihenfolge um. Die größte und bekannteste Rhodiola-RCT ist die Untersuchung von Olsson et al. (Planta Medica 2009, n = 60) zu standardisiertem Rhodiola-Extrakt SHR-5 bei stressinduziertem Erschöpfungssyndrom (Burnout). Über 28 Tage hinweg führte 576 mg pro Tag zu signifikanten Verbesserungen bei Erschöpfungssymptomen, Aufmerksamkeit und psychomotorischer Geschwindigkeit – mit besonders deutlicher Wirkung auf die mentale Komponente der Erschöpfung.
Edwards et al. (Phytotherapy Research 2012, n = 101) bestätigten in einer offenen Multizenter-Studie über 8 Wochen mit WS 1375 (Extrakt aus Rhodiola rosea) signifikante Effekte auf Burnout-Score (MBI), Depressivität und Lebensqualität bei Patienten mit beruflichem Stress.
Bei Burnout im klassischen Sinn (lang anhaltende Erschöpfung mit reduziertem Antrieb, gedämpfter Stressantwort und „leerem" Cortisol-Tagesprofil) ist Rhodiola damit der klare First-Line-Kandidat. Ashwagandha hingegen ist eher bei der „heißen" Stressphase mit überaktiver HHN-Achse und Schlafproblemen indiziert – wenn die Belastung noch nicht in eine chronische Erschöpfung gekippt ist.
Schlaf und Schlafqualität
Der Name „somnifera" („schlafbringend") in Withania somnifera ist Programm. Die Meta-Analyse von Cheah et al. (PLOS ONE 2021, 5 RCTs, n = 400) zeigte unter Ashwagandha eine signifikante Verbesserung der subjektiven Schlafqualität (PSQI), eine moderate Verkürzung der Einschlafzeit um 9,9 Minuten und eine Verbesserung der Schlafeffizienz. Die Effekte waren bei Probanden mit klinischer Insomnie ausgeprägter als bei gesunden Probanden mit gelegentlichen Schlafproblemen.
Rhodiola hingegen kann den Schlaf stören, wenn sie zu spät am Tag eingenommen wird. In der Praxis wird Rhodiola morgens und mittags genommen, Ashwagandha hingegen häufig abends. Wer chronisch unter schlechtem Schlaf leidet, profitiert deutlich eher von Ashwagandha.
Kognitive Leistung und mentale Ausdauer
Bei akuter kognitiver Belastung und mentaler Ermüdung ist Rhodiola die besser belegte Wahl. Darbinyan et al. (Phytomedicine 2000) untersuchten 170 mg Rhodiola-Extrakt SHR-5 vs. Placebo bei Nachtdienst-Ärzten und fanden eine signifikante Verbesserung kognitiver Funktionen (gemessen am Fatigue Index) um 20 Prozent. Spasov et al. (Phytomedicine 2000) zeigten bei jungen Medizinstudenten unter Prüfungsstress signifikante Verbesserungen bei mentaler Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und körperlicher Fitness unter 100 mg pro Tag über 20 Tage.
Ashwagandha zeigt ebenfalls kognitive Effekte – die Meta-Analyse von Ng et al. (Phytotherapy Research 2020) fand moderate positive Effekte auf Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Arbeitsgedächtnis – allerdings sind diese Effekte eher mittel- bis langfristig (4–12 Wochen) und nicht so akut wie bei Rhodiola.
Sport und körperliche Leistung
Ashwagandha hat sich in den letzten Jahren als Kraftsport-Adaptogen etabliert. Wankhede et al. (Journal of the International Society of Sports Nutrition 2015, n = 57) zeigten über 8 Wochen mit 600 mg KSM-66 pro Tag plus Krafttraining signifikante Verbesserungen bei Maximalkraft (Bankdrücken +46 kg vs. +26 kg unter Placebo, Beinpresse +14,5 kg vs. +9,8 kg), Muskelquerschnitt (Arm +8,6 cm² vs. +5,3 cm²) und Reduktion der trainingsinduzierten Muskelschädigung (Kreatinkinase).
Rhodiola zeigt im Kraftsport-Kontext keine vergleichbaren anabolen Effekte, ist aber bei Ausdauerbelastung untersucht. De Bock et al. (International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism 2004) fanden unter einer akuten Einzeldosis von 200 mg Rhodiola eine signifikante Verlängerung der Zeit bis zur Erschöpfung im Radergometer-Test um etwa 3 Prozent gegenüber Placebo, bei gleichzeitig niedrigerer subjektiver Anstrengung. Wer also primär Kraft aufbauen will, profitiert eher von Ashwagandha; wer im Ausdauerbereich an der mentalen Komponente von Erschöpfung arbeitet, ist mit Rhodiola besser bedient.
Testosteron, DHEA und Hormonprofil
Mehrere Studien zeigen, dass Ashwagandha bei Männern den Testosteron-Spiegel moderat erhöhen kann. Lopresti et al. (American Journal of Men's Health 2019, n = 57) berichteten unter 240 mg standardisiertem Ashwagandha-Extrakt über 8 Wochen einen Anstieg von Testosteron um 14,7 Prozent gegenüber Placebo. Smith et al. (Cureus 2022) bestätigten den Effekt mit etwa 15 Prozent unter KSM-66 600 mg über 16 Wochen. Bei Frauen wurden bei Ashwagandha-Studien gelegentlich DHEA-Anstiege beobachtet.
Für Rhodiola existieren keine vergleichbar belastbaren Daten zu Sexualhormonen. Wer Testosteron-Aspekte priorisiert, sollte daher Ashwagandha wählen.
Direkter Vergleich: Wirkprofil Punkt für Punkt
| Merkmal | Ashwagandha (KSM-66) | Rhodiola rosea (SHR-5 / WS 1375) |
|---|---|---|
| Wirkrichtung | dämpfend, anxiolytisch | aktivierend, antifatigue |
| Cortisol-Effekt | deutliche Senkung (−20 bis −30 %) | mild, eher Normalisierung |
| Anxiolyse | sehr stark (SMD ≈ −1,75) | mild bis moderat |
| Schlaf | verbessert subjektive Qualität | neutral bis störend (wenn spät) |
| Mentale Erschöpfung / Burnout | wirkt, aber später | stärker und schneller wirksam |
| Kognitive Akutwirkung | mittelfristig | akut (Tage) |
| Kraftsport | gut belegte anabole Effekte | nicht belegt |
| Ausdauer | wenig untersucht | moderate Effekte |
| Testosteron (Männer) | +10 bis +15 % in mehreren RCTs | nicht belegt |
| Schilddrüse | leichter T3/T4-Anstieg möglich | neutral |
| Geschwindigkeit Wirkeintritt | 1–4 Wochen für Stress, 4–8 für Anabolie | wenige Tage bis 2 Wochen |
| Einnahmezeitpunkt | morgens und/oder abends | morgens und mittags |
| Hauptwirkstoffklasse | Withanolide (steroidale Lactone) | Rosavine + Salidroside |
| Standardisierung (Gold-Standard) | 5 % Withanolide (KSM-66) | 3 % Rosavine + 1 % Salidroside |
Dosierung und Anwendung
| Wirkstoff | Empfohlene Dosis | Einnahmeschema | Typische Dauer |
|---|---|---|---|
| Ashwagandha (KSM-66) | 300–600 mg pro Tag | 1× morgens oder geteilt morgens + abends, mit Mahlzeit | 8–12 Wochen, dann Pause |
| Ashwagandha (Sensoril) | 125–250 mg pro Tag | 1× morgens, mit Mahlzeit | 8–12 Wochen |
| Rhodiola rosea (3 % Rosavine / 1 % Salidroside) | 200–600 mg pro Tag | 1× morgens oder geteilt morgens + frühnachmittags, vor dem Essen | 4–12 Wochen, dann Pause |
Wichtig: Beide Adaptogene sollten nicht dauerhaft ohne Pause eingenommen werden. Empfohlen wird üblicherweise ein Zyklus von 8–12 Wochen, gefolgt von 2–4 Wochen Pause. Bei Rhodiola ist die Sensitivität individuell unterschiedlich – manche Anwender berichten bei höheren Dosen (über 400 mg) über Unruhe oder Schlafprobleme; in diesem Fall die Dosis halbieren.
Kann man Ashwagandha und Rhodiola kombinieren?
Theoretisch ja, in der Praxis ist es aber nicht die beste Strategie für jeden Anwender. Die beiden Pflanzen wirken gegenläufig auf einigen Achsen: Ashwagandha dämpft, Rhodiola aktiviert. In Phasen einer „heißen" Stressbelastung mit Übererregung und Schlafproblemen kann Rhodiola die Beruhigungseffekte von Ashwagandha unterlaufen. In Phasen ausgebrannter Erschöpfung wiederum kann Ashwagandha den ohnehin niedrigen Antrieb zusätzlich dämpfen.
Sinnvoll kombinierbar ist die Konstellation Rhodiola am Morgen, Ashwagandha am Abend – dieses Schema nutzt die aktivierende Wirkung von Rhodiola am Tag und die schlaffördernde Wirkung von Ashwagandha am Abend. Mehrere Pilotstudien zu adaptogenen Kombinationen (z. B. Panossian et al., Phytotherapy Research 2009) legen nahe, dass das Wirkprofil so erweitert wird, aber wer zum ersten Mal mit Adaptogenen experimentiert, sollte erst eine Substanz isoliert testen, um Wirkung und individuelle Verträglichkeit beurteilen zu können.
Wer profitiert mehr von welcher Pflanze?
Ashwagandha ist die bessere Wahl bei:
Chronischem Stress mit innerer Unruhe, Schlafproblemen oder Einschlafstörungen, generalisierter Angst, abendlichem Grübeln, niedrigem Testosteron-Spiegel bei Männern, Kraftsport-Kontext mit Hypertrophie-Ziel, leichten Schilddrüsen-Unterfunktionen (T3/T4 leicht erniedrigt – aber unbedingt vorher ärztlich abklären), Phasen einer stressbedingten Insomnie, Personen mit niedriger Verträglichkeit von Koffein und Stimulanzien.
Rhodiola ist die bessere Wahl bei:
Burnout und chronischer Erschöpfung mit niedrigem Antrieb, mentaler Erschöpfung (lange Schichten, Prüfungsphasen, Schichtarbeit), akuter mentaler Spitzenleistung, Ausdauersport-Kontext, leichten depressiven Verstimmungen mit „erschöpfter Stressachse", Personen, die nachmittags ein „Loch" haben und keinen Kaffee mehr vertragen, Probanden mit reaktivem Tiefdruck nach längeren Stressphasen.
Worauf beim Kauf achten
Bei Ashwagandha ist die Standardisierung der entscheidende Qualitätshebel. Achten Sie auf Wurzelextrakt (nicht Pulver), einen Withanolid-Gehalt von mindestens 2,5 Prozent (5 Prozent bei KSM-66, 10 Prozent bei Sensoril), bevorzugt einen der beiden klinisch validierten Extrakte (KSM-66 oder Sensoril, beide haben den Vorteil aufeinander aufbauender Studienlagen), ein CoA (Certificate of Analysis) mit unabhängiger Withaferin-A- und Withanolid-Bestimmung, keinen Verschnitt mit Reismehl, idealerweise eine vegetarische Kapselhülle ohne Magnesiumstearat.
Bei Rhodiola ist die häufigste Qualitätsfalle die Verfälschung mit anderen Rhodiola-Arten (vor allem Rhodiola crenulata), die einen deutlich anderen Wirkstoffspiegel haben. Achten Sie auf eine garantierte Standardisierung auf 3 Prozent Rosavine UND 1 Prozent Salidroside (das natürliche 3:1-Verhältnis der Wildform), die Verwendung ausschließlich der Wurzel (nicht Kraut oder gesamte Pflanze), HPLC-Analyse mit Bestimmung beider Markerstoffe (manche minderwertige Produkte standardisieren nur auf Salidrosid und enthalten geringere Rosavine-Anteile) und auf eine zertifizierte Herkunft (sibirisch, skandinavisch oder altayisch ist erfahrungsgemäß qualitativ besser als chinesische Massenware).
Produktempfehlung: KSM-66 Ashwagandha
Für Stress, Schlaf und Kraftsport ist KSM-66 der am besten untersuchte Ashwagandha-Extrakt. Empfehlenswert sind Präparate mit garantiert 5 Prozent Withanoliden, ohne unnötige Zusatzstoffe.
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Dosierung: 1 Kapsel (600 mg) morgens oder abends mit etwas Fett (z. B. Joghurt, Nüsse) für bessere Bioverfügbarkeit. Zyklisch über 8–12 Wochen einnehmen, dann 2–4 Wochen Pause.
Produktempfehlung: Rhodiola rosea hochdosiert
Rhodiola rosea standardisiert auf 3 Prozent Rosavine und 1 Prozent Salidroside ist das klinisch belegte Verhältnis. Wichtig: nur Wurzelextrakt, keine Verfälschung mit R. crenulata.
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Dosierung: 1 Kapsel (500 mg) morgens auf nüchternen Magen, ca. 30 Minuten vor dem Frühstück. Nicht nach 16 Uhr einnehmen, um Schlafstörungen zu vermeiden.
Sicherheit, Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Beide Adaptogene haben in den klinischen Studien ein sehr gutes Sicherheitsprofil. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden in keiner der zitierten RCTs systematisch beobachtet.
Ashwagandha: Gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, weicher Stuhl), in Einzelfällen leichte Sedierung am Tag (Dosis abends nehmen oder reduzieren). Vorsicht bei Schwangerschaft (potenziell uterotonisch, klare Kontraindikation), Stillzeit (Datenlage unzureichend), Autoimmunerkrankungen (theoretische Immunstimulation, vor allem bei Hashimoto-Thyreoiditis vorsichtig sein – obwohl die Studienlage hier uneinheitlich ist und manche Patientinnen profitieren), Schilddrüsenmedikamente (mögliche Wechselwirkung mit Levothyroxin) und bei Einnahme von Sedativa und Anxiolytika (additive Wirkung möglich).
Rhodiola: Selten Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen (vor allem bei Einnahme nach 14 Uhr oder Dosen über 400 mg). Vorsicht bei bipolaren Störungen (potenziell manieauslösend in Einzelfallberichten), gleichzeitiger Einnahme von SSRI oder SNRI (theoretische Interaktion über monoaminerge Effekte), Schwangerschaft (Datenlage unzureichend).
Beide Pflanzen sollten von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ohne ärztliche Indikation gemieden werden.
Fazit
Ashwagandha und Rhodiola sind beide hochinteressante Adaptogene mit belastbarer Studienlage – aber sie sind nicht austauschbar. Wer chronisch unter innerer Anspannung, schlechtem Schlaf und überaktiver Stressachse leidet, profitiert klar mehr von Ashwagandha. Wer hingegen mit Erschöpfung, niedrigem Antrieb, mentaler Müdigkeit und reduzierter Leistungsfähigkeit kämpft, ist mit Rhodiola besser bedient.
Beide Pflanzen sollten zyklisch eingenommen werden – die Idee „adaptogen = dauerhaft sicher = dauerhaft einnehmen" ist eine Vereinfachung, die der eigentlichen Wirkdynamik nicht gerecht wird. Wer beide kombinieren möchte, sollte Rhodiola am Morgen und Ashwagandha am Abend einsetzen und die individuelle Reaktion sorgfältig beobachten.
Adaptogene ersetzen keine Schlafhygiene, kein Stressmanagement und keine ärztliche Abklärung bei chronischer Erschöpfung. Sie sind ergänzende Werkzeuge mit klar definierten, aber begrenzten Effektgrößen – und genau in diesem Rahmen erstaunlich nützlich.
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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei chronischer Erschöpfung oder Burnout ist die ärztliche Abklärung der Ursachen erste Priorität.