← Zurück zu allen Beiträgen Resveratrol: Mitochondrien, Langlebigkeit und Sportleistung – Studienlage 2026

Resveratrol: Was Studien zu Mitochondrien, Langlebigkeit und Sportleistung 2026 wirklich zeigen

Kaum ein Naturstoff hat in den letzten 25 Jahren so viel mediale Aufmerksamkeit erhalten wie Resveratrol. Der Polyphenol-Stoff aus der Schale roter Trauben gilt als Schlüsselmolekül des „French Paradox", als Sirtuin-Aktivator und als möglicher pharmakologischer Hebel für gesundes Altern. Tausende präklinischer Studien zeigen beeindruckende Effekte auf Mitochondrien, Blutzucker, Gefäßfunktion und Lebensspanne von Modellorganismen – doch die Übertragung auf den Menschen ist komplizierter als die Schlagzeilen vermuten lassen. Dieser Artikel ordnet die Studienlage 2026 evidenzbasiert ein, vergleicht Resveratrol mit Pterostilben und anderen Alternativen und liefert eine kritische Dosierungs- und Sicherheitseinschätzung.

Was ist Resveratrol – und warum ist es pharmakologisch so interessant?

Resveratrol (chemisch: 3,5,4'-Trihydroxystilben) ist ein Stilben-Polyphenol, das von Pflanzen als Phytoalexin gegen Pilzbefall und UV-Stress gebildet wird. Die höchsten natürlichen Konzentrationen finden sich in der Schale roter Trauben, in Erdnüssen und insbesondere im japanischen Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum), aus dem auch die meisten Supplements gewonnen werden. Ein Glas Rotwein liefert je nach Sorte etwa 0,2 bis 2 Milligramm Resveratrol – die in Humanstudien eingesetzten Dosen (150 bis 1000 mg) liegen damit zwei bis drei Größenordnungen darüber.

Strukturell existiert Resveratrol in zwei isomeren Formen: trans-Resveratrol (biologisch aktiv) und cis-Resveratrol (kaum aktiv und instabil unter UV-Licht). Hochwertige Supplements geben den trans-Anteil explizit an; bei minderwertigen Produkten verschiebt sich das Verhältnis durch Lichtexposition zugunsten der inaktiven cis-Form.

Pharmakologisch ist Resveratrol vor allem deshalb spannend, weil es eine ganze Reihe zellulärer Regulatoren gleichzeitig moduliert: Sirtuine, AMPK, Nrf2, NF-κB, mTOR und PGC-1α. Diese Kombination ähnelt teilweise der Wirkung kalorischer Restriktion – einer der einzigen experimentell bestätigten Anti-Aging-Interventionen. Genau diese Parallele machte Resveratrol zum Star der frühen Langlebigkeitsforschung.

Wirkmechanismen: Was Resveratrol biochemisch tatsächlich macht

SIRT1-Aktivierung und kalorische-Restriktions-Mimetik

Der zentrale und am meisten diskutierte Mechanismus ist die Aktivierung von SIRT1, einer NAD+-abhängigen Histon-Deacetylase. SIRT1 reguliert Entzündung, Mitochondrien-Biogenese, DNA-Reparatur und Lipidstoffwechsel und gilt als zentraler Knoten der Langlebigkeitssignalwege. Howitz et al. (Nature 2003) zeigten erstmals, dass Resveratrol SIRT1 in vitro direkt aktiviert und in Hefezellen die Lebensspanne um bis zu 70 Prozent verlängert. Spätere Arbeiten (Baur et al., Nature 2006) replizierten den Effekt bei übergewichtigen Mäusen: Hochdosiertes Resveratrol normalisierte Insulinsensitivität, mitochondriale Funktion und Überlebensdauer auf das Niveau schlanker Tiere.

Die direkte SIRT1-Aktivierung ist allerdings kontrovers. Pacholec et al. (Journal of Biological Chemistry 2010) zeigten, dass die ursprünglich beobachtete SIRT1-Aktivierung in vitro teilweise ein Artefakt des Assay-Designs war. Heute geht die Forschung davon aus, dass Resveratrol SIRT1 indirekt über AMPK-Aktivierung und NAD+-Erhöhung stimuliert – das Resultat ist dasselbe, der Weg dorthin ist komplexer.

AMPK-Aktivierung und mitochondriale Biogenese

Resveratrol aktiviert AMPK, den zentralen zellulären Energiesensor. AMPK-Aktivierung fördert die mitochondriale Biogenese über PGC-1α, hemmt die Fettsäuresynthese, verbessert die Insulinsignalisierung und aktiviert die Autophagie. Lagouge et al. (Cell 2006) zeigten an Mäusen, dass Resveratrol die mitochondriale Dichte in Skelettmuskeln und braunem Fettgewebe deutlich steigert und die Ausdauerleistung in Laufband-Tests fast verdoppelt. Der Effekt ähnelt dem von Ausdauertraining – Resveratrol gilt seither als „Exercise-Mimetic".

Nrf2-Aktivierung und antioxidative Genexpression

Resveratrol aktiviert den Nrf2-Signalweg und steigert dadurch die Expression von Glutathion-Peroxidase, Superoxid-Dismutase, Hämoxygenase-1 und anderen antioxidativen Schutzenzymen. Diese indirekte Antioxidans-Wirkung ist klinisch relevanter als die direkte Radikalfänger-Wirkung – die Plasmaspiegel von freiem Resveratrol sind dafür zu niedrig.

NF-κB-Hemmung und anti-inflammatorische Wirkung

Über Hemmung der NF-κB-Translokation senkt Resveratrol die Bildung proinflammatorischer Zytokine (TNF-α, IL-6, CRP). Diese anti-inflammatorische Wirkung ist eines der konsistentesten Befunde in der Humandatenlage und erklärt viele der beobachteten kardiovaskulären und metabolischen Effekte.

Endotheliale Stickstoffmonoxid-Synthase (eNOS)

Resveratrol erhöht die eNOS-Expression und -Aktivität, fördert die NO-Bildung im Endothel und verbessert dadurch die Gefäßelastizität. Dieser Mechanismus ist die plausibelste Erklärung für die in Humanstudien konsistent dokumentierte Blutdrucksenkung und die verbesserte flussvermittelte Vasodilatation.

Östrogen-Modulation

Resveratrol bindet an Östrogenrezeptoren als selektiver Modulator (SERM) – mit gewebespezifischer Wirkung. In manchen Geweben (Knochen, Gefäße) wirkt es agonistisch, in anderen (Brustdrüse) eher neutral oder antagonistisch. Diese Eigenschaft macht Resveratrol für die postmenopausale Forschung interessant, gleichzeitig aber auch für hormonsensible Anwender potenziell kritisch.

Studienlage 2026: Was Resveratrol beim Menschen wirklich zeigt

Blutdruck und kardiovaskuläre Endpunkte

Die mit Abstand robusteste Humanevidenz besteht im kardiovaskulären Bereich. Die Liu-Metaanalyse (Liu et al., Clinical Nutrition 2015, 6 RCTs, n = 247) zeigte unter Resveratrol-Dosen ≥ 150 mg pro Tag eine signifikante Senkung des systolischen Blutdrucks um 11,9 mmHg. Niedrigere Dosen waren nicht signifikant wirksam – ein klares Schwellenphänomen.

Eine umfassendere Metaanalyse von Fogacci et al. (Critical Reviews in Food Science and Nutrition 2019, 17 RCTs) bestätigte den Effekt mit kleinerer, aber signifikanter Senkung von 5,7 mmHg systolisch und 2,7 mmHg diastolisch. Der Effekt war bei Patienten mit Hypertonie und metabolischem Syndrom deutlicher als bei Gesunden.

Magyar et al. (Clinical Hemorheology and Microcirculation 2012) zeigten an Postinfarkt-Patienten unter 10 mg Resveratrol pro Tag eine Verbesserung der linksventrikulären Funktion (EF +3,9 Prozent) und der flussvermittelten Vasodilatation. Bemerkenswert: schon niedrige Dosen reichten bei kranken Probanden für einen messbaren Effekt.

Insulinsensitivität und Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetikern und Probanden mit Insulinresistenz ist die Datenlage konsistent positiv. Die Liu-Metaanalyse zu Diabetes (Liu et al., American Journal of Clinical Nutrition 2014, 11 RCTs, n = 388) zeigte unter Resveratrol-Dosen von 100–1000 mg pro Tag eine signifikante Reduktion des Nüchtern-Blutzuckers (-0,32 mmol/L), des HbA1c (-0,17 Prozent) und des HOMA-IR-Index (-0,8). Die Effekte sind kleiner als bei Metformin oder Berberin, aber additiv und ohne wesentliche Nebenwirkungen.

Timmers et al. (Cell Metabolism 2011, n = 11 adipöse Männer) untersuchten 150 mg Resveratrol pro Tag über 30 Tage und fanden eine deutliche Verbesserung der mitochondrialen Funktion, eine Senkung des Ruhestoffwechsels (wie unter Kalorienrestriktion) und eine reduzierte intrahepatische Fettmenge.

Mitochondriale Funktion und Sportleistung

Hier ist die Studienlage paradox. In Tiermodellen ist Resveratrol ein potenter Exercise-Mimetic; beim Menschen sind die Effekte deutlich kleiner und teilweise sogar gegenläufig.

Gliemann et al. (Journal of Physiology 2013, n = 27 ältere Männer) zeigten erstmals einen kontraintuitiven Befund: Resveratrol (250 mg/Tag) reduzierte die durch Ausdauertraining erzielten Verbesserungen von Blutdruck, oxidativer Kapazität und VO2max gegenüber Placebo. Die mechanistische Erklärung: Resveratrol hemmt teilweise die für die Trainingsadaptation notwendigen oxidativen Signale (mitohormetisches Paradox). Die Befunde wurden in Folgestudien teilweise repliziert.

Bei untrainierten Probanden oder älteren Personen mit niedriger Ausgangsfitness sind die Effekte hingegen meist positiv: Resveratrol verbessert hier mitochondriale Marker, Insulinsensitivität und Gehstrecke. Praktische Konsequenz: Resveratrol ist eher für untrainierte oder ältere Anwender interessant, weniger für sportliche Hochleistung.

Lipidprofil

Sahebkar et al. (Nutrition Reviews 2014, 11 RCTs, n = 388) zeigten unter Resveratrol-Supplementierung eine kleine, aber signifikante Senkung des Gesamtcholesterins (-0,3 mmol/L) ohne nennenswerte Veränderung von LDL, HDL oder Triglyzeriden. Der Effekt ist marginal und sollte nicht als Statin-Ersatz interpretiert werden.

Neuroprotektion und kognitive Funktion

Witte et al. (Journal of Neuroscience 2014, n = 46 ältere Erwachsene) untersuchten 200 mg Resveratrol pro Tag über 26 Wochen und fanden eine signifikante Verbesserung der Gedächtnisleistung (Wortpaare-Lernen) sowie eine erhöhte funktionelle Konnektivität im Hippocampus (fMRT). Eine Folgestudie von Köbe et al. (Frontiers in Aging Neuroscience 2017) bestätigte den Effekt in einer überlappenden Kohorte mit milder kognitiver Einschränkung.

Eine Phase-II-Studie zur Alzheimer-Erkrankung von Turner et al. (Neurology 2015, n = 119) untersuchte hohe Resveratrol-Dosen (bis 2 g/Tag) und fand eine Stabilisierung der CSF-Amyloid-β-40-Werte gegenüber dem Placebo-Verlust – ein erstes klinisches Signal, das aber bisher nicht in eine Phase-III-Bestätigung mündete.

Knochengesundheit

Ornstrup et al. (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2014, n = 66 Männer mit metabolischem Syndrom) untersuchten 1000 mg Resveratrol pro Tag über 16 Wochen und fanden eine signifikante Steigerung der Knochenmineraldichte an der Lendenwirbelsäule (+2,6 Prozent) und einen Anstieg der Knochen-spezifischen alkalischen Phosphatase. Damit ist Resveratrol einer der wenigen Polyphenole mit dokumentiertem osteoanabolen Signal beim Menschen.

Dosierung und Anwendung

Die Studienlage erlaubt 2026 folgende grobe Dosierungsempfehlung:

Ziel Dosis pro Tag Form Dauer
Allgemeine Anti-Aging-Strategie 150–250 mg trans-Resveratrol (Polygonum cuspidatum) dauerhaft
Blutdrucksenkung (Hypertonie) 150–500 mg trans-Resveratrol ≥ 8 Wochen
Insulinsensitivität / Typ-2-Diabetes 250–1000 mg trans-Resveratrol ≥ 12 Wochen
Kognitive Funktion (ältere Anwender) 200 mg trans-Resveratrol ≥ 6 Monate
Knochengesundheit 500–1000 mg trans-Resveratrol ≥ 16 Wochen
Forschungsdosen (Alzheimer-Trials) bis 2000 mg trans-Resveratrol nur ärztlich begleitet

Timing: Resveratrol sollte zu einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden – die Bioverfügbarkeit lipophiler Stilbene steigt mit gleichzeitiger Fettzufuhr deutlich. Eine Aufteilung auf morgens und abends ist sinnvoll, weil die Plasma-Halbwertszeit kurz ist (1–3 Stunden für freies Resveratrol, 9–11 Stunden für die konjugierten Metaboliten).

Bioverfügbarkeit – das zentrale Problem. Standard-Resveratrol hat eine orale Bioverfügbarkeit von unter 1 Prozent. Im Darm und in der Leber wird die Substanz fast vollständig glucuronidiert und sulfatiert. Diese Konjugate sind nicht inaktiv (sie werden im Gewebe teilweise wieder dekonjugiert), aber die Plasmaspitzen für freies Resveratrol bleiben niedrig. Strategien zur Bioverfügbarkeitssteigerung:

  • Mizellares Resveratrol: Wasserlösliche Mizellen-Formulierungen können die Bioverfügbarkeit gegenüber Pulver um Faktor 8–10 erhöhen.
  • Resveratrol + Piperin: Piperin (aus Schwarzem Pfeffer) hemmt die Glucuronidierung und verlängert die Plasma-Halbwertszeit.
  • Resveratrol + Quercetin: Quercetin hemmt CYP3A4 und Sulfotransferasen, was die Resveratrol-Spiegel zusätzlich erhöht.
  • Liposomales Resveratrol: Phospholipid-Verkapselung verbessert die Aufnahme über das lymphatische System.

Vergleich: Resveratrol vs. Pterostilben vs. NAD+-Booster

Im Spektrum der Sirtuin-Aktivatoren und NAD+-Wege-Modulatoren ist Resveratrol nur eine von mehreren Optionen.

Substanz Bioverfügbarkeit Halbwertszeit Hauptmechanismus Studienlage Mensch Preis pro Tagesdosis
Resveratrol < 1 % (frei) 1–3 h SIRT1/AMPK indirekt mittel-hoch 10–40 Cent
Pterostilben 80 % 7 h SIRT1 direkter, weniger Methylierung gering-mittel 60–120 Cent
NMN (Nicotinamid-Mononukleotid) hoch (sublingual) kurz NAD+-Vorstufe mittel 1,50–3 €
NR (Nicotinamid-Ribosid) hoch mittel NAD+-Vorstufe mittel-hoch 1,20–2,50 €
Apigenin mittel 4 h CD38-Hemmer (NAD+-Erhalt) gering 30–60 Cent
Fisetin gering 1–3 h Senolytikum, SIRT1 gering 50–100 Cent

Pterostilben ist ein Resveratrol-Analog aus Blaubeeren mit zwei Methylgruppen, die die Bioverfügbarkeit drastisch steigern und die Sirtuin-Aktivierung teilweise stärker machen. Direkte Vergleichsstudien beim Menschen fehlen weitgehend; in Tiermodellen ist Pterostilben oft potenter. Für blutzucker- und kognitive Endpunkte ist Pterostilben vielversprechend, aber die klinische Datenbasis ist deutlich kleiner als bei Resveratrol.

NMN und NR wirken nicht über Sirtuin-Aktivierung, sondern über direkte NAD+-Erhöhung. Bei älteren Personen mit nachweisbarem NAD+-Mangel ist dieser Weg möglicherweise effektiver; bei Jüngeren ist die Datenlage weniger eindeutig. Eine Kombination aus Resveratrol (Sirtuin-Aktivator) und NMN/NR (Substrat-Lieferant) ist mechanistisch sinnvoll und wird in mehreren laufenden Studien untersucht.

Worauf beim Kauf achten

trans-Anteil prüfen. Hochwertige Produkte geben den trans-Resveratrol-Gehalt explizit an (oft ≥ 98 Prozent). Bei Produkten ohne diese Angabe ist die Wirksamkeit fragwürdig.

Herkunft Polygonum cuspidatum. Resveratrol aus japanischem Staudenknöterich ist standardisierbar und kostengünstig. Resveratrol aus Traubenextrakt ist oft niedriger dosiert und teurer. Synthetisches Resveratrol ist chemisch identisch und meist sehr rein.

Dunkelglas-Verpackung. trans-Resveratrol ist lichtempfindlich – Produkte in transparenten Plastikflaschen verlieren über Wochen einen Teil der aktiven Form durch Isomerisierung zu cis-Resveratrol. Dunkelglas oder lichtgeschützte HDPE-Behälter sind Pflicht.

Drittanbieter-Analytik. HPLC-Zertifikate, Schwermetall- und Lösungsmittelrückstands-Analytik sind bei seriösen Anbietern Standard.

Verkapselung. Vegane HPMC-Kapseln sind Standard. Resveratrol-Tabletten sind wegen Hilfsstoffen und schlechterer Auflösung suboptimal.

Preis. 250 mg Standard-trans-Resveratrol pro Tag kostet etwa 15–30 Cent. Mizellare oder liposomale Formen liegen bei 60–120 Cent pro Tagesdosis – die Mehrkosten sind bei niedrig dosierten Anwendungen (Blutdruck, Kognition) gerechtfertigt.

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Häufige Fehler bei der Anwendung

Sub-therapeutische Dosierung. Drogerie-Produkte mit 20–50 mg Resveratrol pro Kapsel liegen weit unter den Studiendosierungen. Wer einen messbaren Effekt anstrebt, braucht mindestens 150 mg trans-Resveratrol pro Tag.

Einnahme nüchtern. Resveratrol ist lipophil und braucht Nahrungsfette für die Resorption. Nüchterneinnahme reduziert die Bioverfügbarkeit zusätzlich auf nahezu unmessbare Werte.

Hochdosierte Einnahme bei intensivem Ausdauertraining. Wegen des mitohormetischen Paradoxes (Gliemann et al. 2013) können hohe Resveratrol-Dosen die Trainingsadaptation bei gut trainierten Sportlern abschwächen. Trainingsfreie Tage mit Resveratrol-Pause sind sinnvoll, oder die Anwendung auf untrainierte Phasen beschränken.

Erwartung akuter Effekte. Die meisten dokumentierten Effekte (Blutdruck, Kognition, Knochen) zeigen sich erst nach 8–16 Wochen kontinuierlicher Anwendung. Resveratrol ist kein Akut-Wirkstoff.

Lagerung im Hellen. trans-Resveratrol isomerisiert unter Lichteinfluss zur inaktiven cis-Form. Lagerung im Dunkeln und in der Originalverpackung sind essenziell.

Übersehen der CYP-Interaktionen. Resveratrol hemmt CYP3A4 und CYP2C9 in höheren Dosen. Bei Statinen, Antikoagulanzien (Warfarin), bestimmten Antidepressiva und Calciumantagonisten ist eine ärztliche Rücksprache vor Hochdosis-Anwendung Pflicht.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Resveratrol ist in den getesteten Dosen (bis 1000 mg pro Tag chronisch, kurzfristig bis 2000 mg) gut verträglich. Studien über bis zu sechs Monate Dauer zeigen keine relevanten Toxizitäts-Signale, keine Veränderung von Leber- oder Nierenwerten.

Mögliche Nebenwirkungen sind selten und meist mild: gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Diarrhö – vor allem bei Dosen ≥ 1000 mg/Tag), gelegentlich Kopfschmerzen, sehr selten Hautreaktionen.

Wechselwirkungen:

  • Antikoagulanzien (Warfarin, DOAKs): Resveratrol hemmt mild die Thrombozytenaggregation und kann die Wirkung verstärken – INR-Monitoring sinnvoll.
  • CYP3A4-Substrate (Statine, Tacrolimus, Cyclosporin, einige Calciumantagonisten, Antidepressiva): potenziell erhöhte Plasmaspiegel des Substrats – Dosierung ärztlich anpassen.
  • CYP2C9-Substrate (Warfarin, einige NSAR): theoretisch erhöhte Spiegel.
  • Östrogensensible Erkrankungen (Brustkrebs in Anamnese, Endometriose, Myome): wegen der SERM-Aktivität nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: keine ausreichenden Daten – in dieser Phase verzichten.

Lebersicherheit. Auch in den hochdosierten Alzheimer-Studien (bis 2 g/Tag über ein Jahr) traten nur in Einzelfällen leichte, reversible Transaminasen-Erhöhungen auf. Bei vorbestehender Lebererkrankung sind moderatere Dosen (≤ 500 mg) und eine Verlaufskontrolle der Leberwerte sinnvoll.

Fazit: Wann Resveratrol sinnvoll ist – und wann nicht

Resveratrol ist 2026 eines der am intensivsten beforschten Polyphenole mit einer mittlerweile soliden, wenn auch differenzierten Humandatenlage. Die belastbarsten Effekte sind:

  1. Blutdrucksenkung bei Hypertonie und metabolischem Syndrom – mehrfach metaanalytisch bestätigt.
  2. Insulinsensitivität und glykämische Kontrolle bei Typ-2-Diabetes – kleine, aber konsistente Effekte.
  3. Kognitive Funktion bei älteren Anwendern – moderate Evidenz aus mehreren RCTs.
  4. Knochenmineraldichte beim metabolischen Syndrom – ein einzigartiger osteoanaboler Befund.
  5. Mitochondriale Funktion und Stoffwechsel bei Übergewichtigen – plausibel und reproduziert.

Was Resveratrol nicht zuverlässig leistet: keine pauschale Lebensverlängerung beim Menschen, kein Ersatz für Statine oder Antihypertensiva, kein Booster für die Trainingsadaptation gut trainierter Sportler, kein Wundermittel gegen Krebs.

Wer Resveratrol testen will, sollte mit 150–500 mg trans-Resveratrol pro Tag in standardisierter, photostabiler Form beginnen, idealerweise als mizellares oder liposomales Präparat oder kombiniert mit Quercetin, eingenommen zur fetthaltigen Mahlzeit. Bei Polypharmakotherapie, Antikoagulation oder hormonsensiblen Erkrankungen vorab ärztlich abklären. Realistische Erwartung: keine spürbaren Akut-Effekte, sondern eine über Wochen aufgebaute Modulation von Gefäß-, Stoffwechsel- und kognitiven Endpunkten – die in der Summe einer der wenigen pharmakologisch fundierten Anti-Aging-Bausteine ist.

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Quellen:

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