Taurin: Was Studien zu Herzgesundheit, Ausdauerleistung und Regeneration 2026 wirklich zeigen
Taurin ist eines der am häufigsten konsumierten und gleichzeitig am meisten missverstandenen Supplemente überhaupt. Allein über Energy-Drinks nehmen Millionen Konsumenten täglich grammhohe Dosen zu sich, ohne genau zu wissen, was Taurin biochemisch tut. In Fitness-Kreisen kursiert seit Jahren das Gerücht, Taurin sei nur ein billiger „Filler" in Pre-Workout-Mischungen. Andererseits zeigt eine 2023 in Science veröffentlichte Studie an Nagern und Affen, dass Taurin-Supplementierung die mediane Lebensspanne um bis zu zwölf Prozent verlängern kann – ein Befund, der weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Was stimmt nun? Dieser Artikel ordnet die Studienlage zu Taurin im Sport- und Gesundheitskontext ein, vergleicht Dosierungen, geht auf Sicherheit und Wechselwirkungen ein und gibt eine evidenzbasierte Kaufempfehlung.
Was ist Taurin – und warum ist es kein klassisches Aminosäure-Supplement?
Taurin (2-Aminoethansulfonsäure) ist eine schwefelhaltige Amino-Sulfonsäure, kein α-Aminosäurebaustein klassischer Proteine. Der Körper synthetisiert Taurin endogen aus Cystein und Methionin über das Enzym Cystein-Sulfinsäure-Decarboxylase. Die endogene Produktion ist beim Menschen jedoch begrenzt – im Gegensatz zur Katze, die Taurin essenziell zuführen muss, gilt Taurin beim Menschen als „bedingt essenziell": ausreichend bei guter Mischkost, häufig suboptimal bei Vegetariern, Veganern, Senioren und unter chronischem Stress.
Die intrazellulären Taurin-Konzentrationen liegen mit 5–50 mmol/L in einer Größenordnung, die Taurin zu einer der mengenmäßig wichtigsten freien Aminosäuren des Körpers macht. Besonders hoch konzentriert ist Taurin im Herzmuskel, in der Skelettmuskulatur (vor allem Typ-I-Fasern), in der Retina, im Gehirn und in Leukozyten. Diese Verteilung gibt einen Hinweis auf seine Funktionen: Osmoregulation, Calcium-Modulation, antioxidative Wirkung und Membranstabilisierung.
Eine durchschnittliche westliche Mischkost mit Fleisch und Fisch liefert etwa 40–400 mg Taurin pro Tag. Vegetarische und vegane Ernährung enthält praktisch kein Taurin – die endogene Synthese muss vollständig den Bedarf decken. Daraus erklärt sich, dass Vegetarier und Veganer im Mittel um 20–30 Prozent niedrigere Plasma-Taurinwerte aufweisen als Mischköstler (Laidlaw et al., American Journal of Clinical Nutrition 1988).
Wirkmechanismen: Was Taurin biochemisch tatsächlich macht
Osmoregulation und Zellvolumen
Taurin ist eines der wichtigsten organischen Osmolyte des Körpers. Bei osmotischen Belastungen – Hitze, Dehydratation, hyperosmolare Stoffwechsellagen – stabilisiert intrazelluläres Taurin das Zellvolumen, ohne die Ionenkonzentrationen zu verändern. Diese Funktion erklärt, warum Sportler, die unter Hitze trainieren, einen messbar erhöhten Taurin-Bedarf haben.
Calcium-Modulation am Herzmuskel
Taurin moduliert den Ryanodin-Rezeptor und den L-Typ-Calciumkanal in Kardiomyozyten. Bei Calcium-Überlastung (z. B. nach Ischämie oder unter Inotropika) wirkt Taurin protektiv, indem es überschüssiges intrazelluläres Calcium puffert. Bei Calcium-Mangel-Zuständen verstärkt Taurin dagegen den Calcium-Influx und die Kontraktilität – ein bidirektionaler, „autoregulativer" Mechanismus, der Taurin im Herz-Kreislauf-Kontext besonders interessant macht.
Klinisch wurde dieser Effekt in Studien an Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz gut dokumentiert: Eine japanische Multicenter-RCT von Azuma et al. (Clinical Therapeutics 1985) und eine spätere Studie von Beyranvand et al. (Journal of Cardiology 2011) zeigten unter 3–6 g Taurin pro Tag eine signifikante Verbesserung der NYHA-Klasse, der Belastungstoleranz und der linksventrikulären Auswurffraktion.
Antioxidative Wirkung und Glykation
Taurin reagiert direkt mit hypochloriger Säure (HOCl) zu Taurinchloramin – einem milderen, weniger gewebsschädigenden Oxidans. Diese Reaktion entlastet die zelluläre Glutathion-Reserve und ist insbesondere in Leukozyten und im entzündeten Gewebe relevant. Zusätzlich hemmt Taurin die AGE-Bildung (advanced glycation end products) in Studien an Diabetes-Modellen – ein Befund, der die kardiovaskulären Effekte teilweise erklärt.
Modulation der GABA-Rezeptoren
Taurin bindet als partieller Agonist an GABA-A- und Glycin-Rezeptoren und wirkt damit zentralnervös leicht beruhigend und schlaffördernd. Diese Wirkung erklärt, warum hohe Einzeldosen Taurin (3–6 g) bei manchen Anwendern eine spürbare Entspannung auslösen – und warum die Kombination Taurin + Koffein in Energy-Drinks pharmakologisch durchaus Sinn ergibt: Koffein puscht, Taurin dämpft die Übererregung.
Konjugation von Gallensäuren
Taurin konjugiert primäre Gallensäuren zu Taurocholsäure und Taurochenodesoxycholsäure. Diese Tauro-Konjugate sind besser wasserlöslich, verbessern die Fettverdauung und beeinflussen den enterohepatischen Kreislauf. Subklinischer Taurin-Mangel kann dadurch zu verschlechterter Fettverdauung und veränderter Mikrobiom-Zusammensetzung beitragen.
Studienlage 2026: Was Taurin wirklich kann – und was nicht
Ausdauerleistung und VO₂max
Eine umfassende Meta-Analyse von Waldron et al. (Sports Medicine 2018) wertete 19 RCTs zu Taurin und Ausdauerleistung aus. Ergebnis: Eine Einzeldosis von 1–6 g Taurin 1–2 Stunden vor Belastung verbesserte die Zeit bis zur Erschöpfung im Mittel um 1,7 Prozent, mit größeren Effekten bei längerer Belastungsdauer. Das klingt wenig, ist im Leistungssport aber relevant: 1,7 Prozent in einem 10-km-Lauf entsprechen rund 30 Sekunden – an der Grenze einer persönlichen Bestzeit oft entscheidend. Mechanismen: verbesserte Calcium-Handhabung in der Skelettmuskulatur, antioxidative Wirkung gegen belastungsinduzierten oxidativen Stress, mögliche Schonung der Glykogen-Reserven.
Krafttraining und Regeneration
Eine RCT von da Silva et al. (Amino Acids 2014) gab Ausdauer-Athleten 50 mg Taurin pro kg Körpergewicht über 14 Tage. Ergebnis: signifikante Reduktion von DNA-Schäden in Lymphozyten und niedrigere Lipidperoxidations-Marker im Vergleich zu Placebo. Eine 2018er Studie von Ra et al. (Journal of the International Society of Sports Nutrition 2018) zeigte unter 2 g Taurin/Tag bei Krafttrainierenden reduzierten Muskelkater (DOMS) und niedrigere Kreatinkinase-Werte 24 und 48 Stunden nach exzentrischem Training. Die Effekte sind moderat, aber konsistent.
Herzgesundheit und Blutdruck
Eine japanische Bevölkerungsstudie (Yamori et al., Hypertension Research 2010, n = 4.211 Probanden in 25 Ländern) fand inverse Assoziationen zwischen Taurin-Ausscheidung im 24-Stunden-Urin und Bluthochdruck-Inzidenz. Eine RCT von Sun et al. (Hypertension 2016) zeigte unter 1,6 g Taurin/Tag über 12 Wochen bei prähypertensiven Erwachsenen eine mittlere Blutdrucksenkung von 7,2/4,7 mmHg – vergleichbar mit niedrigdosierten Antihypertensiva. Die Mechanismen umfassen verbesserte Endothelfunktion, gesteigerte NO-Bioverfügbarkeit und reduzierte Sympathikus-Aktivität.
Diabetes und Insulinsensitivität
Meta-Analyse von Tao et al. (Frontiers in Nutrition 2022): 12 RCTs mit insgesamt 711 Probanden mit metabolischem Syndrom oder Typ-2-Diabetes. Unter 0,5–6 g Taurin pro Tag sanken Nüchternglukose, HbA1c, Triglyceride und LDL-Cholesterin signifikant. Der Effekt auf HbA1c lag bei –0,32 Prozentpunkten – moderat, aber klinisch relevant in Kombination mit Lifestyle-Interventionen.
Lebensspanne und Anti-Aging
Die viel zitierte 2023er Studie von Singh et al. (Science 2023) untersuchte Taurin-Substitution an Mäusen und Rhesusaffen. Unter Taurin-Gabe (1 g/kg/Tag bei Mäusen, gewichtsadaptiert bei Affen) verlängerte sich die mediane Lebensspanne der Mäuse um 10–12 Prozent, mit verbessertem Knochenstatus, Muskelfunktion und Immunfunktion. Die Affen zeigten nach sechs Monaten ähnliche Verbesserungen verschiedener Aging-Marker. Achtung: Es gibt keine direkten Humanstudien zur Lebensspanne, und die hochdosierten Tierdosen entsprechen humanen Äquivalenzdosen von ~3–6 g/Tag – also einer Größenordnung, die im Sportkontext routinemäßig eingesetzt wird.
Lebergesundheit (NAFLD)
Eine RCT von Abdel-Moneim et al. (Indian Journal of Clinical Biochemistry 2017) zeigte unter 3 g Taurin/Tag bei NAFLD-Patienten reduzierte ALT- und AST-Werte sowie verbesserte Lebersteatose-Marker im Ultraschall. Mechanismus: verbesserter Gallensäure-Stoffwechsel und reduzierte hepatische Lipid-Akkumulation.
Dosierung und Anwendung
Die optimale Taurin-Dosis hängt vom Anwendungsziel ab. Hier ein praxistaugliches Schema:
| Ziel | Dosis | Timing | Dauer |
|---|---|---|---|
| Ausdauerleistung (akut) | 1–6 g | 60–120 min vor Belastung | Pre-Workout |
| Regeneration nach Training | 2–3 g | innerhalb 30 min nach Training | täglich |
| Herzgesundheit / Blutdruck | 1,5–3 g | 1× oder 2× täglich | ≥ 12 Wochen |
| Insulinsensitivität / metabolisches Syndrom | 1,5–3 g | mit Mahlzeiten | ≥ 8 Wochen |
| Allgemeine Supplementierung / Anti-Aging | 1–2 g | morgens | dauerhaft |
| Schlafförderung | 1–3 g | 30–60 min vor dem Schlafen | bei Bedarf |
Bioverfügbarkeit: Taurin wird oral zu 80–90 Prozent resorbiert. Plasma-Spitzenkonzentrationen treten 60–90 Minuten nach Einnahme auf, intrazelluläre Akkumulation dauert mehrere Tage bis Wochen. Eine Aufsättigungsphase mit 2 g zweimal täglich über zwei Wochen ist sinnvoll, bevor man auf eine Erhaltungsdosis von 1–2 g/Tag reduziert.
Mit oder ohne Mahlzeit? Taurin kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Auf nüchternen Magen tritt der Wirkungseintritt schneller ein. Bei sensitiven Personen kann die Einnahme zu Mahlzeiten Magen-Darm-Beschwerden vorbeugen.
Pulver vs. Kapseln: Taurin in Pulverform ist deutlich günstiger und gut wasserlöslich (3 g lösen sich problemlos in 200 ml Wasser). Kapseln sind komfortabler, aber je Dosis 5–10× teurer. Geschmacklich ist Taurin-Pulver leicht süßlich-salzig und in Wasser unauffällig.
Vergleich der Taurin-Quellen
Nicht jede Taurin-Quelle ist gleichwertig:
| Quelle | Taurin-Gehalt | Bioverfügbarkeit | Praxistauglich |
|---|---|---|---|
| Energy-Drinks (Red Bull, Monster) | 1.000 mg / 250 ml | hoch | teuer, viel Zucker/Koffein |
| Reines Taurin-Pulver | 100 % | sehr hoch | sehr günstig, frei dosierbar |
| Taurin-Kapseln | 500–1.000 mg / Kap. | sehr hoch | praktisch, teurer |
| Pre-Workout-Booster | 500–2.000 mg / Portion | hoch | meist suboptimal dosiert |
| Fisch und Meeresfrüchte | 50–200 mg / 100 g | hoch | natürlich, niedrig dosiert |
| Rind- und Schweinefleisch | 30–100 mg / 100 g | hoch | natürlich, niedrig dosiert |
| Vegetarische Kost | praktisch null | – | nicht ausreichend |
Empfehlung: Reines Taurin-Pulver ist die mit Abstand wirtschaftlichste Lösung. Ein Kilogramm Taurin-Pulver (entspricht 500 Tagesdosen à 2 g) kostet bei seriösen Herstellern etwa 25–35 Euro. Energy-Drinks sind die teuerste und ungesündeste Variante: 1 g Taurin über Red Bull kostet rund 2,50 Euro – das 50-Fache von Pulver.
Vergleich mit Alternativen und Synergien
Taurin vs. Beta-Alanin
Beta-Alanin verbessert hochintensive Belastungen über 60 Sekunden bis 4 Minuten durch Carnosin-Aufbau im Muskel. Taurin wirkt eher in der Ausdauer- und Regenerations-Domäne. Beide ergänzen sich gut, konkurrieren aber pharmakokinetisch um den TauT-Transporter (SLC6A6). Hochdosiertes Beta-Alanin kann die Taurin-Aufnahme reduzieren – wer beides supplementiert, sollte sie zeitlich versetzen (z. B. Beta-Alanin morgens, Taurin abends).
Taurin vs. Citrullin Malat
L-Citrullin Malat steigert die NO-Produktion und Pump-Effekt während des Trainings. Taurin wirkt eher antioxidativ und regenerationsförderlich. Beide kombiniert in einem Pre-Workout (3 g Citrullin + 2 g Taurin) ergeben einen sinnvollen Stack für Ausdauer- und Kraftsportler.
Taurin vs. Magnesium
Beide wirken am Calcium-Stoffwechsel. Magnesium ist klassischer Cofaktor von ATP und reguliert die Muskelrelaxation. Taurin moduliert die Calcium-Empfindlichkeit der kontraktilen Filamente. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen ist die Kombination 300 mg Magnesium + 2 g Taurin abends in vielen Anwender-Erfahrungen wirkungsvoller als jede Komponente allein.
Taurin und Koffein
Die in Energy-Drinks übliche Kombi (80 mg Koffein + 1 g Taurin pro 250 ml) hat in einer RCT von Giles et al. (Journal of the International Society of Sports Nutrition 2012) synergistische Effekte auf Reaktionszeit und kognitive Leistung gezeigt – allerdings ohne den Beweis, dass Taurin allein vergleichbar wirkt. Im Sport-Kontext kombiniert ergibt 200 mg Koffein + 2 g Taurin eine günstige Pre-Workout-Basis ohne Energy-Drink-Zuckerlast.
Worauf beim Kauf achten
Reinheit. Pharma-Qualität (Ph. Eur. oder USP) garantiert ≥ 99,5 Prozent Reinheit. Discount-Pulver aus China kann mit Schwermetallen (Blei, Cadmium) oder Restlösungsmitteln aus der Synthese belastet sein. Seriöse europäische Hersteller veröffentlichen Analyse-Zertifikate.
Synthese-Verfahren. Industrielles Taurin wird heute fast ausschließlich synthetisch aus Ethylenoxid und Natriumbisulfit hergestellt – das ist unproblematisch und beim Endprodukt nicht von „natürlichem" Taurin unterscheidbar. „Vegane" Etiketten sind streng genommen redundant: Synthetisches Taurin ist immer vegan.
Kapsel-Hülle. Standard-Gelatine-Kapseln sind tierischen Ursprungs; HPMC-Kapseln (Cellulose) sind vegan. Beide pharmakologisch gleichwertig.
Dosierung pro Portion. Hochwertige Produkte liefern 1.000 mg pro Kapsel oder verkaufen Pulver mit Messlöffel für 1 g, 2 g oder 3 g. „Komplexe" mit nur 100–250 mg Taurin pro Kapsel sind teure Marketing-Tricks – wer eine Wirkdosis von 2–3 g erreichen will, müsste 8–30 Kapseln nehmen.
Zertifizierungen. Informed-Sport- und Cologne-List-Zertifikate sind für Wettkampfsportler relevant – sie garantieren Doping-Freiheit (kein Verbot, aber Schutz vor Cross-Contamination mit anderen Substanzen).
ESN Taurin Powder – Pharma-Qualität, geschmacksneutral
- Ph. Eur.-Reinheit, Cologne-List-zertifiziert für Wettkampfsportler
- Sehr günstig pro Tagesdosis (~ 5 Cent für 2 g)
- Frei dosierbar – ideal für Pre-Workout und abendliche Regeneration
Sunday Natural Taurin – 1.000 mg pro Kapsel
- 1.000 mg reines Taurin pro Kapsel – effiziente Dosierung
- Vegane HPMC-Kapselhülle, ohne Magnesiumstearat
- Deutsche Produktion mit Reinheits-Analytik
Häufige Fehler bei der Anwendung
Zu niedrige Dosierung. Viele „Taurin-Komplexe" enthalten nur 200–500 mg pro Portion. Studienevidenz beginnt bei 1 g, optimale Effekte bei 2–3 g pro Tag. Wer „nichts spürt", hat fast immer zu wenig genommen.
Energy-Drinks als Taurin-Quelle. 250 ml Red Bull enthalten 1 g Taurin – aber auch 80 mg Koffein und 27 g Zucker. Wer 3 g Taurin über Red Bull deckt, konsumiert nebenbei 240 mg Koffein und 81 g Zucker. Pure Taurin-Pulver-Lösung ist 50× günstiger und gesünder.
Kombination mit hochdosiertem Beta-Alanin am gleichen Zeitpunkt. Beide konkurrieren um den TauT-Transporter. Beta-Alanin morgens, Taurin abends ist sinnvoller als beide in einem Pre-Workout-Shake.
Nur am Trainingstag. Die zellulären Taurin-Speicher brauchen Wochen, um sich aufzufüllen. Wer nur am Trainingstag dosiert, verfehlt die antioxidativen und Anti-Aging-Effekte. Tägliche Einnahme über mindestens 8–12 Wochen ist die wissenschaftliche Standard-Strategie.
Erwartung sofortiger Stimmungseffekte. Die GABA-modulierende Wirkung tritt nur bei Dosen ab 3 g spürbar auf. Niedrigere Dosen wirken pharmakologisch, aber subjektiv kaum wahrnehmbar.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Taurin ist eines der bestverträglichsten Supplemente überhaupt. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat 2012 nach Auswertung der Studien eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge von bis zu 6 g/Tag als sicher eingestuft, ohne dass eine NOAEL (no observed adverse effect level) erreicht wurde. Tox-Studien an Ratten zeigen erst bei extrem hohen Dosen (mehrere g/kg Körpergewicht) Effekte.
Mögliche Nebenwirkungen sind selten und meist mild: leichte Magen-Darm-Beschwerden bei Einzeldosen über 5 g, in seltenen Fällen Schläfrigkeit (durch GABA-Modulation), bei sehr hohen Dosen (> 10 g/Tag) theoretisch leichter Blutdruckabfall.
Wechselwirkungen:
- Lithium: Taurin könnte die Lithium-Ausscheidung beeinflussen – bei Lithium-Therapie nur unter ärztlicher Aufsicht.
- Antihypertensiva: Synergistischer Blutdruck-Senkungs-Effekt – Dosis-Anpassung kann nötig werden.
- Diuretika: Erhöhte Taurin-Ausscheidung; ggf. höhere Supplement-Dosis nötig.
- Beta-Alanin: Kompetition um den TauT-Transporter (siehe oben).
Schwangerschaft und Stillzeit: Taurin ist ein essenzieller Bestandteil der Muttermilch und für die fetale Entwicklung wichtig. Supplementierung in moderaten Dosen (1–2 g/Tag) gilt als unbedenklich, sollte aber mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Kinder und Jugendliche: Energy-Drinks mit hohem Taurin- und Koffein-Gehalt sind für Kinder problematisch – nicht wegen des Taurins, sondern wegen des Koffeins. Reines Taurin in moderater Dosis (500 mg) ist bei Jugendlichen ab 12 Jahren in Studien gut verträglich, aber selten medizinisch indiziert.
Fazit: Wann Taurin sinnvoll ist – und wann nicht
Taurin gehört zu den am besten erforschten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Supplementen. Die Studienlage ist erstaunlich konsistent: Bei Ausdauersportlern verbessert eine Pre-Workout-Dosis von 1–6 g die Belastungstoleranz moderat, bei Krafttrainierenden reduziert eine tägliche Dosis von 2 g Muskelkater und Marker für oxidativen Stress. Bei prähypertensiven Erwachsenen senkt 1,5–3 g/Tag den Blutdruck klinisch relevant. Bei NAFLD- und Diabetes-Patienten verbessern 1,5–3 g/Tag metabolische Marker. Und in Tiermodellen verlängert Taurin die mediane Lebensspanne – ein Befund, der zurzeit zu Recht intensiv beforscht wird.
Was Taurin nicht ist: kein Wundermittel, kein Wachstumshormon-Booster, kein Ersatz für klassisches Training oder eine vernünftige Ernährung. Aber im Werkzeugkasten eines evidenzbasiert supplementierenden Athleten oder gesundheitsbewussten Erwachsenen ist Taurin eines der kosteneffektivsten Mittel überhaupt: 2 g/Tag aus reinem Pulver kosten weniger als 5 Cent, das Risiko-Nutzen-Verhältnis ist exzellent, und der biologische Wirkmechanismus ist breit dokumentiert. Wer eine vegetarische oder vegane Ernährung führt, ist hochwahrscheinlich Taurin-suboptimal versorgt – hier ist die Supplementierung besonders sinnvoll.
Wer Taurin testen will, sollte mit 2 g/Tag über mindestens acht Wochen beginnen, idealerweise in zwei Dosen (1 g morgens, 1 g 60 Minuten vor dem Training oder abends). Pure Pulver-Form schlägt Energy-Drinks und „Komplex"-Produkte preislich um Größenordnungen.
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Quellen:
- Waldron M, Patterson SD, Tallent J, Jeffries O. The Effects of an Oral Taurine Dose and Supplementation Period on Endurance Exercise Performance in Humans: A Meta-Analysis. Sports Medicine 2018; 48(5): 1247–1253. PubMed 29546641
- Singh P, Gollapalli K, Mangiola S, et al. Taurine deficiency as a driver of aging. Science 2023; 380(6649): eabn9257. PubMed 37289866
- Sun Q, Wang B, Li Y, et al. Taurine Supplementation Lowers Blood Pressure and Improves Vascular Function in Prehypertension: Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. Hypertension 2016; 67(3): 541–549. PubMed 26781281
- Beyranvand MR, Khalafi MK, Roshan VD, et al. Effect of taurine supplementation on exercise capacity of patients with heart failure. Journal of Cardiology 2011; 57(3): 333–337. PubMed 21334852
- Ra SG, Akazawa N, Choi Y, et al. Taurine Supplementation Reduces Eccentric Exercise-Induced Delayed Onset Muscle Soreness in Young Men. Advances in Experimental Medicine and Biology 2015; 803: 765–772. PubMed 25833544
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- EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources. Scientific Opinion on the safety of taurine. EFSA Journal 2012; 10(6): 2736. EFSA 2012
- Yamori Y, Taguchi T, Hamada A, et al. Taurine in health and diseases: consistent evidence from experimental and epidemiological studies. Journal of Biomedical Science 2010; 17(Suppl 1): S6. PMC2994368